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Verstehen – Warum Messwerte erst durch Fachwissen wertvoll werden

Autorenbild: Mirko Grammel
Mirko Grammel
16. Okt.
3 Min. Lesezeit

Im ersten Teil unserer Serie haben wir festgestellt: Professionelle Wasserschadensanierung beginnt mit einer strukturierten Messung.


Doch damit beginnt die eigentliche Arbeit erst.


Denn Messgeräte liefern Werte. Menschen müssen daraus Erkenntnisse machen.


Der zweite Schritt unseres Prinzips „Messen. Verstehen. Handeln. Lernen.“ lautet deshalb: Verstehen.


Vom Messwert zum Schadensbild

Nehmen wir an, bei der Untersuchung eines Wasserschadens wurden an mehreren Stellen Auffälligkeiten festgestellt.


Was folgt daraus?


Zunächst einmal nur, dass wir Hinweise besitzen. Jetzt müssen wir diese Hinweise in einen Zusammenhang bringen.


Dazu gehört beispielsweise das Verständnis darüber, wie das Gebäude konstruiert ist, welche Materialien vorhanden sind, wie Wasser in der Konstruktion transportiert werden kann und wie sich Feuchtigkeit unter den gegebenen Bedingungen verhält.


Erst wenn diese Informationen zusammengeführt werden, entsteht aus einzelnen Messpunkten ein Schadensbild.



Die Konstruktion mitdenken

Wasser hält sich nicht an sichtbare Raumgrenzen.


Es folgt Gefällen, Fugen, Hohlräumen und Materialstrukturen. Es kann sich innerhalb von Konstruktionen verteilen und Bereiche erreichen, die zunächst nicht mit dem ursprünglichen Austritt in Verbindung gebracht werden.


Deshalb reicht der Blick auf die Oberfläche häufig nicht aus.


Wer einen Schaden verstehen möchte, muss versuchen, die Konstruktion gedanklich zu öffnen, bevor sie tatsächlich geöffnet wird.


  • Wie ist der Fußboden aufgebaut?

  • Welche Schichten befinden sich unter dem Estrich?

  • Welche angrenzenden Bauteile können betroffen sein?

  • Gibt es Installationsschächte oder andere Wege, über die sich Wasser verteilt haben könnte?


Diese Fragen zeigen, warum Erfahrung und Fachwissen in der Wasserschadensanierung so wichtig sind.



Zusammenhänge erkennen statt Symptome behandeln

Ein professioneller Sanierungsprozess richtet sich nicht ausschließlich nach dem sichtbaren Symptom.


Eine feuchte Stelle ist zunächst ein Hinweis.


Die entscheidende Frage lautet: Warum ist sie feucht?


Das klingt selbstverständlich. In der Praxis entscheidet genau diese Frage jedoch darüber, ob wir lediglich auf eine Erscheinung reagieren oder tatsächlich die Ursache und das Ausmaß eines Schadens verstehen.


Eine technisch saubere Sanierung braucht deshalb eine belastbare Diagnose.


Und eine belastbare Diagnose entsteht aus dem Zusammenspiel von Messung, Konstruktion, Materialkenntnis, Schadensverlauf und Erfahrung.



Fachwissen macht den Unterschied

Genau an dieser Stelle wird deutlich, warum Weiterbildung mehr sein muss als Produkt- oder Geräteschulung.


Technologien entwickeln sich weiter. Geräte werden leistungsfähiger. Verfahren verändern sich.


Die entscheidende Kompetenz bleibt jedoch die Fähigkeit des Menschen, Informationen richtig zu bewerten.


Die IRES Akademie möchte deshalb nicht nur Wissen vermitteln, das in einer bestimmten Situation funktioniert.


Unser Anspruch ist es, Verständnis zu schaffen, das auf unterschiedliche Situationen übertragen werden kann.


Wer Zusammenhänge verstanden hat, kann auch bei einem unbekannten Schadensbild strukturiert vorgehen.


Das ist der Unterschied zwischen dem Befolgen eines Ablaufs und echter Fachkompetenz.



Gute Entscheidungen entstehen vor dem Handeln

In der Praxis besteht häufig Druck.


Der Kunde erwartet eine Lösung. Termine müssen eingehalten werden. Geräte und Personal müssen geplant und effektiv eingesetzt werden.


Gerade dann ist es verlockend, möglichst schnell mit einer Maßnahme zu beginnen.

Doch Geschwindigkeit und Professionalität sind keine Gegensätze.


Eine kurze, aber strukturierte Analyse kann verhindern, dass später mit erheblichem Aufwand nachgebessert werden muss.


Erst verstehen, dann handeln.


Dieser Grundsatz spart nicht zwangsläufig Zeit in den ersten Minuten eines Einsatzes. Er kann aber viel Zeit, Aufwand und Kosten im gesamten Sanierungsprozess sparen.



Verstehen schafft Handlungssicherheit

Am Ende dieses zweiten Schrittes sollte deshalb nicht einfach eine Sammlung von Messwerten stehen.


Es sollte eine nachvollziehbare Vorstellung davon bestehen, was passiert ist, welche Bereiche betroffen sind und welche technischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

Dann wird aus Information Wissen.


Und aus Wissen kann eine Entscheidung entstehen.


Damit kommen wir zum dritten Teil unserer Serie.


Denn wer gemessen und verstanden hat, muss irgendwann entscheiden:

Was tun wir jetzt?


Mirko Grammel – Leitung IRES Akademie
Im nächsten Beitrag beschäftigen wir uns deshalb mit dem Handeln – und damit, wie aus einer fundierten Diagnose eine passende Sanierungsstrategie entsteht.

Mirko Grammel

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